Leitbild

Kein Teil der Welt kann dauerhaft auf Kosten der anderen leben

Der Verein artefact „appropriate rural technologies Flensburg alternative cooperation team“ wurde 1986 von einer Gruppe von technisch und pädagogisch qualifizierten Menschen gegründet, die vielfach viele Jahre im Ausland gelebt und im Rahmen der sogenannten Entwicklungshilfe gearbeitet hatten. Ihre Erfahrungen mit anderen Kulturen, dort entwickelten und an die Rahmenbedingungen angepassten landwirtschaftlichen und technischen Traditionen, aber auch mit den Auswirkungen von scheinbar weiter oder höher entwickelten importierten Standards, Zielen und Produkten prägten ihre Bewertungen von Begriffen wie „Entwicklung“ und „Gerechtigkeit“ und führten zur Idee, ein Zentrum aufzubauen, das sich an folgenden Kriterien misst:

  • Verwendung regionaler, energieeffizient und sozialverträglich gewonnener Ressourcen als Baustoffe, Energiequellen und Lebens-Mitteln wie Wasser
  • Einbeziehung von Know how und Kulturtechniken aus anderen Klimazonen und Regionen und Anpassung an die lokalen Rahmenbedingungen
  • fairer und respektvoller Umgang mit Menschen, Kultur und Natur weltweit
  • transparente Weitergabe und Fortbildung, Austausch und Begegnung zu nachhaltigem Leben und Wirtschaften mit angepassten Techniken und Verhaltensweisen.
  • der wirtschaftlich und gesellschaftspolitisch unabhängige Betrieb des Zentrums in Eigenregie ohne Abhängigkeit staatlicher oder gewerblicher Träger oder Finanzierer ist für das Zentrums auch ein wichtiges Ziel an sich, da die Unabhängigkeit von eigeninteressengesteuerten Sponsoren für die Glaubwürdigkeit und Überzeugungsfähigkeit des Zentrums ein wichtiges Pfund ist.

Einsatz für Klimagerechtigkeit und fairen Handel in den natürlichen Grenzen des Wachstums

ist wesentliches Ziel und Leitbild des Zentrums, das eine andere Art und Definition von Entwicklung in erster Linie in den Ländern der nördlichen Halbkugel einfordert und durch praktisches Vor-Leben als Pionier und Trendsetter gesellschaftsfähig machen will. Als Besucherzentrum konzipiert, sollen unterschiedliche Zielgruppen von Schülern über allgemein interessierte Besucher und Familien bis hin zu Fachgruppen aus dem In- und Ausland informiert, motiviert und qualifiziert werden, um ausgestattet mit Bewertungskompetenz und fachlichem Know-how selber kennengelernte Optionen an ihre Realität anpassen zu können und vielleicht auch selber aktiv und zum Transmissionsriemen für nachhaltige Handlungskompetenz zu werden.

Konkrete Handlungsfelder des Zentrums ergeben sich teilweise bereits durch die bei Bau und Betrieb verwendeten Ressourcen als Bau- und Dämmmaterialien, beim Energieeinsatz für Wärme und Elektrizität, bei Wasserverwendung und Reinigung.

Internationaler Austausch und das Wecken von Neugierde an anderen Menschen, Kulturen und Naturen

wird über alle Alters- und Zielgruppen hinweg als wichtig erachtet und gefördert von Kindergarten- und Schüler:innengruppen bis zu Betriebsausflügen und Senior:innenvereinen.
Berührungsängste existieren oft aber nicht allein gegenüber unbekannten und fremdländischen Menschen, sondern auch gegenüber unbekannten Techniken und naturwissenschaftlichen Anwendungen. Neugierde zur Entdeckung und Entwicklung eigener Fähigkeiten etwa bei handwerklichen und naturwissenschaftlichen Anwendungen sollen geweckt und positiv verstärkt werden. Das Heranführen von oft wenig technikaffinen Zielgruppen wird aktiv angestrebt, ob durch Teilnahmen an Formaten wie dem Girls’ Day, gezielten Angeboten für Integrationsmaßnahmen oder selbst initiierte Projekte und Kampagnen wie dem Schleswig-Holstein Solarcup für Kinder und Jugendliche oder der elektromobilen Informations- und Motivationsfahrt Tour de Flens im deutsch-dänischen Grenzgebiet zum Vernetzen von Pionieren und Nachfolgern.
Auch bei der Durchführung von Fachseminaren und beruflichen Fortbildungen spielen neben technischen und betriebswirtschaftlichen Kenntnissen Kriterien wie Bürgerbeteiligung und Akzeptanz, Fehlerfreundlichkeit und soziale Bewertungskompetenzen eine große Rolle:
werden Abhängigkeiten auf- oder abgebaut? Sind Vor- und Nachteile für alle Beteiligten sozial ausgewogen?
Die Vermittlung von Notwendigkeit und Chancen von Klimaschutz und demokratisch kontrolliertem Einsatz für erneuerbare Energien vom privaten Schrebergarteneinsatz bis zur gewerblichen Investition und dem volkswirtschaftlichen Engagement für Stromtrassen und länderübergreifende Kooperationen spielt auch bei anderen Bildungs- und Veranstaltungsformaten wie der öffentlichkeitswirksamen Vortrags- und Diskussionsreihe „Glücksburger Gespräche“ immer wieder ein große Rolle.

Kultur- und Technikaustausch in alle Richtungen

Als anerkannte Entsende- und Empfängerorganisation im Rahmen der Lernprogramme „weltwärts“ und „Internationaler Jugendfreiwilligendienst“ will artefact über Wissenstransfer etwa für technisch interessierte „solar volunteers“ hinaus die Möglichkeit eröffnen, den Blick für andere Entwicklungsziele und Geschwindigkeiten zu erweitern und sich persönlich weiterzuentwickeln. Durchschnittlich etwa 50 Nord- und Süd-Freiwillige nehmen alljährlich nach intensiver interkultureller Sensibilisierung und Vorbereitung an Praktikums- und Lerndiensten meist bei Nichtregierungsorganisationen in Ost- und Südafrika, Rumänien und Deutschland teil. Kritische Reflexion von Denkmustern, Vorurteilen und Klischees spielen eine große Rolle bei den Vorbereitungs- und Auswertungsseminaren.

Mitarbeitereinbindung und Mitwirkung

Die Auseinandersetzung mit und grundsätzlich positive Einstellung der Mitarbeitenden zu den allgemeinen Zielen und sich daraus ergebenden Verhaltens- und Umgangsweisen wird erwartet, entsprechende Ideen, Fragen und Anregungen sehr begrüßt.
Die äußerst unterschiedlichen Mitwirkungsphasen von hauptamtlichen Mitarbeitenden in Vollzeit, Teilzeit, im Minijob und saisonal, dazu Arbeitsbereiche von technischem Service über Gästehaus- und Hausmeistertätigkeiten bis zu den direkt in die pädagogische Arbeit und wirtschaftliche Mitverantwortung eingebundenen KollegInnen machen eine mitverantwortliche Einbeziehung Aller jedoch nicht leicht.

Dazu kommen alljährlich wechselnde Freiwillige im FÖJ und BFD sowie ein Südfreiwilliger über weltwärts aus Ostafrika, dazu manchmal KurzzeitpraktikantInnen. Seit Ende 2024 wird erstmals eine Ü27-BFD-Stelle besetzt in der Hoffnung, damit etwas mehr Lebenserfahrung und Know how im mittleren Alter in´s Team integrieren zu können.

Meist vierzehntägige Mitarbeitersitzungen bieten Gelegenheit, über tagesaktuelle Arbeitsplanungen und Routinen hinaus auch Sinn und Prioritätensetzungen von Aufgaben, wiederkehrenden und einmaligen Projekten zu besprechen. Abhängig vom persönlichen Engagement der einzelnen Mitarbeitenden und Freiwilligen sind zusätzliche Projekte, Verbesserungsvorschläge und Initiativen mit Selbstbeteiligung gern gesehen. Gleiches gilt für die Teilnahme an externen Fortbildungen. Die Teilnahme an Seminaren oder Exkursionen von oder für Hausgäste wird nach positiver Absprache mit den Kunden bei eigenem zeitlichem Engagement gern möglich gemacht, sonst abhängig von der aktuellen Lage. Die Mitwirkung bei längerfristigen Entscheidungen insbesondere mit wirtschaftlichen Implikationen ist gewünscht, jedoch in Abhängigkeit von Dauer und Umfang der Betriebszugehörigkeit und relativer Beteiligung am Betriebsrisiko. Es wird grundsätzlich angestrebt, einmal jährlich ein Mitarbeiterforum für Austausch, Kritik und Perspektivendebatte durchzuführen.