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11.01.2017 | Flensburger Tageblatt

Afrikaner nehmen Abschied von Deutschland

Zehn Freiwillige des Programms „weltwärts“ haben ein Jahr in Schleswig-Hlstein verbracht.

Die Stimmung zum Abschied war gelöst. Unter der Holzkuppel des Großraums von „artefact“, Veranstaltungsort ökologischer Projekte, wurde der einjährige Aufenthalt von zehn afrikanischen Freiwilligen in Schleswig-Holstein feierlich beendet. Das Programm, an dem sie teilgenommen hatten, heißt „weltwärts“ und wird von der Bundesregierung gesponsert. Es gibt jungen Menschen, die am Anfang ihres Berufslebens stehen, die Möglichkeit weitreichende „globale“ Erfahrungen zu machen. „artefact“ übernimmt die Koordination für Schleswig-Holstein und zwar in beide Richtungen: für Deutsche, die nach Afrika gehen und für Lockeres Beisammensein an deutsch-afrikanischer Kaffeetafel: (v. l.) Najjiba Katesi, Jutta Petersen-Böhm, („artefact“), Joyce Nabirye, Silke Hansen (evangelische Kita Kronshagen), Diana Nabwami. (Foto: Ch)Afrikaner, die nach Deutschland kommen. Pro Jahr gibt es insgesamt 50 Teilnehmer, sagte Koordinator Frank Lüschow. 17 neue Teilnehmer aus Afrika kommen bereits im Februar nach Schleswig-Holstein.

Vor den zahlreichen Präsentationen über den zurückliegenden Aufenthalt gab es deutschen Kaffee und afrikanischen Tee, der nach viel warmer Milch schmeckte. Einige Freiwillige waren in Begleitung ihrer deutschen Arbeitskollegen gekommen, Mitarbeiter von Kindergärten, Behindertenwohnheimen, Migrationsbüros. Jeder „Volunteer“ erhielt eine Urkunde.

Den Anfang empfanden alle als hart. Die fremde Kultur, die Kälte und die Verständigungsprobleme – „ohne die Gruppe würden sie eingehen“, fasst es Lüschow zusammen. Najjiba Katesi (28) musste zusätzlich damit klarkommen, dass sie ihre große Liebe in Uganda zurückließ. Jean de la Paix Murinaa (28) lebte in einem Haushalt mit sechs Katzen. In seiner Heimat Ruanda leben Katzen auf der Straße, hier saßen sie auf seinem Bett. Trotz einjährigem Aufenthalt in Deutschland bevorzugten alle Afrikaner die englische Sprache für ihre Präsentationen. An den Tischen war aber auch fließend deutsch zu hören.

Trotz der Anfangsschwierigkeiten haben alle schöne Erfahrungen gemacht: Mramba Kiwelu schwärmt vom Reggae-Festival in Köln, Najjiba Katesi von ihrer Hamburger Hafen-Rundfahrt. Solomon Njau hat deutsches Imkerhandwerk auf einem Jugendbauernhof in Kiel erlernt und möchte es zu Hause in Tansania einführen. „Schutzkleidung statt Räuchern. Das ist für die Bienen schonender.“ Najjiba ist angetan von dem Behinderten-Wohnheim in Oldenburg/Holstein, in dem sie gearbeitet hat. Eine gute Sache, findet sie so ein Heim. Etwas, das es in ihrer Heimat nicht gibt. Behinderte leben dort in ihren Familien, was oft eine große Belastung sei. „Es gibt sicherlich manches, was man an einer fremden Kultur gut findet. Die Frage, die man sich stellen muss: Passt es auch in mein Land?“, regte Bürgervorsteherin Dagmar Jonas an. Sie war als Repräsentantin der Stadt gekommen, um zu betonen, dass man in Glücksburg froh sei, „dass es artefact gibt“.

Werner Kiwitt von „artefact“ bedauerte, dass an dem Projekt keine Firmen teilnehmen dürfen. „Einige afrikanische Freiwillige wären an einer Beschäftigung im Bereich der Solarenergie oder am Reetdach-Bau interessiert.“ Aber die teilnehmenden Arbeitgeber müssten nun einmal einen gemeinnützigen Träger haben. Das sei Bedingung.

Bei „artefact“ stehen erhebliche Baumaßnahmen an, verriet Kiwitt. Das Hauptgebäude von 1993/94 brauche eine Dachsanierung, möglichst mit Solar. Auch das 1995 eröffnete Gästehaus bedürfe „in puncto energetische Modernisierung erheblicher Maßnahmen“. Diese wolle man vorbildlich angehen: „Auch in Zeiten weiterentwickelter Vorschriften wollen wir uns als Pionier zeigen.“